Regionen: Glasgow und Umgebung
Allgemeine Info zur Stadt Glasgow: Fläche 175 km², Einwohner ca. 580.000, Website
Glasgow ist eine erstaunliche Stadt. Immer im Zweikampf mit Edinburgh, so könnte man meinen. Ein Kampf, den keiner von beiden wirklich gewinnen kann. Denn Glasgow und Edinburgh haben letztlich wenig gemein. Das war schon immer so. Glasgow war früher eine Arbeiterstadt und immer ein wichtiger Industriestandort. Edinburgh war die intellektuelle Stadt. Auch architektonisch unterscheiden sich beide Städte sehr stark. Glasgow ist die größere der beiden Städte, aber Edinburgh in der Summe die Schönere. Die Stadtoberen Glasgows haben aber daraus gelernt. In der vor allem industriell wichtigen Stadt, die fast kein Gesicht mehr hatte, wurde seit 1990 erstaunliches geleistet. Man besann sich auf die Restaurierung alter Gebäude und schuf moderne Gebäude, die sich sehr schön in das Stadtbild integrieren. Mittlerweile wird Glasgow allgemein bestaunt, die Stadt gilt als wichtige Architektur- und Designstadt. Aber auch kulturell zählt Glasgow jetzt zur Spitze. Die Stadt verbirgt ihre Bausünden bewusst nicht, weshalb sie sicher nie mit Edinburgh konkurrieren werden kann. Glasgow hat sich seinen ganz eigenen Charme aufgebaut. Deshalb ist die Stadt auch sehr sehenswert. Für Highland-Reisende ist ein Stopp in Glasgow eigentlich Pflicht.
Das Zentrum der Stadt ist der George Square. Hier liegen die Fernbahnhöfe Central Station und Queens Street sowie der Busbahnhof. Östlich davon findet man auf kurzem Weg das Geschäfts- und Einkaufsviertel, die Merchant City. Sehr sehenswert ist die Gegend am Clyde. Hier wurde viel gebaut und umgestaltet. Am Hafen wird immer noch viel gebaut - das Projekt verspricht gut zu werden. (Info Glasgowharbour). Am Pacific Quay ist das unglaubliche Glasgow Science Centre entstanden. Eine interessante Sammlung oft multimedialer und interaktiver Stücke. Über die Bell's Bridge gelangt man zum Tall Ship. Hier liegen tolle Schiffe, die am Clyde gebaut wurden. Unweit davon ist das Pumphouse und das Clydebuilt sehenswert. Wer unten am Clyde ist, sollte sich eine kleine Schifffahrt gönnen.
Das Stadtzentrum ist, trotz der vielen moderne Gebäude und des oft heftigen Verkehrs, recht übersichtlich. Das Zentrum wurde im Prinzip wie ein Schachbrett strukturiert, sodass einem die Orientierung leichtfällt. Am vorhin erwähnten George Square lohnt ein Blick auf die City Chambers - das Stadtparlament. Am Royal Exchange Square liegt die international renommierte Gallery of Modern Art. Für Kunstfreunde ein Muss. Sehenswert sind auch die McLellan Galleries an der Sauchiehall Street. Hier gibt es immer wieder schöne Ausstellungen. Unweit liegt das Royal Highland Fusiliers Museum, das die Militärgeschichte der Schotten beschreibt. In der 217 Sauchiehall Street sind die Willow Tea Rooms untergebracht, die originalgetreu nach Plänen von Mackintosh rekonstruiert wurde. Sehr beliebt ist der Besuch des Tenement House (Buccleuch Street). Es gibt einen Einblick, wie man früher gelebt hat. Ein architektonisches Bonmot ist die Glasgow School Of Art in der Renfrew Street, die von Mackintosh entworfen wurde und als sein bestes Werk gilt. Ein weiteres seiner Werke zählt als Geheimtipp - das Lighthouse in der Mitchell Lane.
Wie gesagt wurde der alte Stadtkern Glasgows gekonnt saniert. Die meisten Gebäude liegen im so genannten East End. Hier sollte man vor allem die Glasgow Cathedral am Cathedral Square besuchen. In der Castle Street liegt das St. Mungo's Museum of Religious Life And Art. Es wird allgemein sehr gerühmt, weil es gekonnt versucht, die Weltreligionen in künstlerischer Art darzustellen. Gegenüber dieses Museums steht das wohl älteste Haus der Stadt - das Provand's Lordship. Wem der Sinn nach Schwofen und Zerstreuung steht, der wird im West End fündig. Nirgendwo kann man besser einfach nur hinsitzen und stundenlang andere Leute beobachten und dabei abschalten. Dazu bietet die Gegend sehr schöne Pubs und Restaurants an. Ich denke, das liegt auch an der Nähe zur Universität. Es gibt dem Viertel eine gewisse leichte und unkonventionelle Note. Sehenswert ist hier z. B. das Hunterian Museum in der University Ave. Gegenüber ist die Hunterian Art Gallery, daran angeschlossen das Mackintosh House. Äußerst sehenswert ist gegenüberliegend in der Argyll Street Kelvingrove sowie das Museum of Transport. Wer Ruhe sucht wird im Botanischen Garten an der Great Western Road fündig - ein wahrer Hort der Ruhe in der doch sehr umtriebigen Stadt. Ähnlich ruhig und fast schon gespenstisch wirkt Fossil Grove, eine Fossilienhöhle im Victoria Park.
Sehr laut und geschäftig ist die South Side der Stadt. Hier findet man aber auch einige wichtige Museen wie die Burrell Collection (Pollok Country Park), das Scottish Football Museum im Hampden Park und natürlich hier das Stadion selbst. Richtig toll ist der Barras, das ist der Glasgower Flohmarkt in der London Road. Da ist immer mächtig viel los, hier kann man wirklich viel sehen - und viel verlieren (Vorsicht mit Wertgegenständen).
Günstige Unterkünfte:
- Euro Hostel, 318 Clyde Street
- Glasgow Youth Hostel, 7-8 Park Terrace
- Blue Sky Hostel, 65 Berkeley Street
Essen:
In Glasgow kann man sehr gut Essen gehen. Ich habe mal gehört, dass man nirgendwo in Schottland besser essen kann. Das ist sicherlich Geschmackssache.- Günstig:
- Cafe Lava, 24 Andrew's Str.
- Where The Monkey Sleeps, 182 West Regent str.
- Willow Tea Rooms, 217 Sauchihall Str.
- Noodle Bar, 482 Sauchihall Str.
- Moka, 219 Byres Road
Sport:
Fußball spielt eine überragende Rolle in Glasgow. Es gibt zwei Vereine - die wichtigsten in Schottland überhaupt: Celtic und die Rangers. Zwischen beiden besteht eine gewisse Rivalität, die vor allem aus den unterschiedlichen Konfessionen herrührt: Celtic ist Katholisch mit irischen Wurzeln und Rangers ist Protestantisch (mit schottischen Wurzeln). Konfession wird in Schottland sehr ernst genommen. Damit sollte man auch keine Witze in Schottland machen.Bus:
Es gibt recht gute Verbindungen, vor allem herrscht ein gewisser Konkurrenzkampf, was den Preisen oft zugute kommt.
Bekannte Buslinien:
Überland geht es z. B. von Citylink, Stagecoach, Megabus, Silver Choice National Express nach England.
Häufige Verbindungen und Fahrtdauer:
Stirling ca. 45 min, Inverness ca. 4 Std., Aberdeen ca. 4 Std., Oban ca. 3 Std., Fort William ca. 3 Std., Portree ca. 7 Std., Edinburgh ca. 1 1/4Strd. St. Andrew's ca. 2 1/4Std, Anstruther ca. 3 std.
Flughafen:
Der Glasgow International Airport liegt ca. 16 km westlich nahe Paisley. Am Flughafen gibt es ein gutes Angebot an Mietwagen. Busse fahren viertelstündlich von und nach Glasgow (Buchanan Station am Zentralbahnhof). Der alte Airport ist fast 50 km von Glasgow entfernt und liegt bei Prestwick.Bahn:
Wie gesagt gibt es zwei Bahnhöfe. Die Central Station bedient praktisch alle Züge nach Südschottland, England, Wales. Der Bahnhof Queen Street bedient alle Züge Richtung Norden und Osten.Auto:
Hier gilt ähnliches wie für Edinburgh. Glasgow ist stressig für Autofahrer. Die Einbahnstraßen können einen oft verzweifeln lassen. Dazu kommen Rush-Hours morgens und mittags. Wer nicht unbedingt muss, sollte mit dem Auto nicht in die Stadt fahren.U-Bahn:
Glasgow besitzt ein kleines U-Bahn Netz. Zum Erkunden der Stadt ist es jedoch ideal geeignet.Glasgows Umland:
Die direkte Umgebung hat wenige Sehenswürdigkeiten, erst wenn man Richtung Loch Lomond kommt, wird es interessant. Aber immerhin gibt es ein paar lohnenswerte Ziele in der direkten Umgebung:Inverclyde ist die Gegend westlich von Glasgow. Eine Ansammlung alter Werften. Halten kann man in Greenock (43 km westlich Glasgow). Schön ist das Ufer nahe des James Watt College. Auf dem Lyle Hill liegt das Free French Memorial. In der Stadt ist das McLean Museum und das HM Customs Museum. In Port Glasgow kann man das Newark Castle besichtigen. Ein eher unbekannteres Schloss, das aber recht sehenswert ist.
Knapp 50 km westlich von Glasgow liegt Gourock. Ein Seebad, das noch etwas Charme versprüht aber doch schon bessere Tage gesehen haben muss. 13 km südlich von Gourock liegt Wemyss Bay. Der Ort dient vor allem als Fährhafen nach Rothesay auf Bute. Weiter südlich von Wemyss Bay erreicht man auf der A78 Largs. Largs liegt an der Ayrshire Küste, gegenüber des Ortes liegt Great Cumbrae Island. Zu der Insel gibt es eine Fährverbindung. Largs ist extrem retro, so extrem, dass man den Ort gesehen haben sollte wenn man in der Nähe ist. Ein Seebad altmodischster Prägung. Weiter südlich auf der A78 erreicht man Adrossan. Ein weniger sehenswerter Ort, der vor allem als Fährhafen zur Insel Arran genutzt wird. Die Strasse führt jetzt Richtung Killwining. Vorher geht in südlicher Richtung die A 78 weiter, u. a. Richtung Kilmarnock. Vorher kann man an der Küste einen Zwischenstopp in Irvine einplanen. Irvine ist ein durchaus sehenswerter Ort, der in der Vergangenheit wirtschaftlich immer wieder zu knabbern hatte. Einst war Irvine ein extrem wichtiger Umschlaghafen für Kohle. Nach dem Niedergang der Industrie war Volvo ein sehr wichtiger Arbeitgeber, der allerdings sein Werk schloss. Mittlerweile scheint die Papierindustrie ein wichtiger Industriesektor hier zu sein. Die Stadt ist sehenswert und bietet mit dem Scottish Maritim Museum eines der interessantesten Museen zum Thema Schifffahrt in Schottland. Noch etwas weiter südlich liegt das Dundonald Castle.
Danach kommt man nach Troon. Troon ist heute vor allem als wichtige Golfstadt bekannt, auf den Golfplätzen finden ziemlich wichtige Turniere statt. Die Golfspieler geben dem Ort natürlich ein gewisses gehobenes Flair, was Troon recht angenehm erscheinen lässt. Zu erwähnen ist auch noch die Fährverbindung, die von Troon nach Nordirland besteht und die durchaus wichtige Rolle Troons für den Segelsport. Weiter Richtung Süden kommt man nach Prestwick. Prestwick spielt vor allem eine Rolle wegen des Flughafens, der früher der Hauptflughafen für die Region Glasgow war. Heute hat Glasgow seinen eigenen International Airport in Paisley, dennoch ist Prestwick stark frequentiert (vor allem durch Low-Budget Carrier). Die Stadt selbst ist eigentlich ganz sehenswert, geht aber etwas unter, weil die meisten Menschen daran vorbeifahren. Etwas weiter südlich kommt man dann nach Ayr, wenn man so will dem Hauptort von Ayrshire. Ayr ist ein ganz ordentlicher und vor allem beliebter Ferienort, der sich sehr gut auf die vielen Urlauber eingestellt hat. Hier ist immer viel los, man kann auch recht viel unternehmen. Interessant ist der letzte Raddampfer, der von hier nach Glasgow fährt sowie die vielen historischen Gebäude hier. Ayr ist auch ein exzellenter Standort für Ausflüge ins Robert Burns Land.
Etwas weiter südlich von Ayr sollte man sich keinesfalls entgehen lassen Alloway und das Burns Cottage (Geburtshaus von Robert Burns), die Old Kirk und das Burns Heritage Centre. Wie man den Namen entnehmen kann, steht hier alles im Zeichen des berühmten schottischen Dichters. Wer noch weiter südlich entlang der Küste fährt, wird in kurzen Abständen mit einigen wichtigen Sehenswürdigkeiten Schottlands belohnt: Dunure Castle, Culzean Castle mit dem Culzean Country Park und Turnberry Castle. Die hier liegenden Orte sind ganz angenehm. Dunure ist ein kleiner verschlafen wirkender Fischerort. Turnberry ist etwas mondäner, was wohl begründet ist in seiner Rolle als wichtiges Golfzentrum. Von Turnberry aus kann man dann auf der A 77 zurück Richtung Ayr fahren. Eine lohnenswerte Strecke. Unterweges kommt man in Kirkoswald vorbei. Dort liegt die sehenswerte Crossraguel Abbey und Souter Johnnie's Cottage. Kaum zwei Meilen von der Crossraguel Abbey entfernt kommt man nach Maybole. Dies war eine früher sehr wichtiger Ort, der Hauptort der Region Carrick. Ein Besuch kann von daher Sinn machen, weil Maybole viele relativ gut erhaltene alte Gebäude (Maybole Castle, Town Hall, Church Of Scotland) beherbergt. Trotzdem ist der Ort als Reiseziel eher unbekannt. Knapp drei Meilen östlich von Maybole liegt Kirkmichael. Ein an und für sich ebenso unbekannter Ort. Allerdings wird Kirkmichael für drei Tage pro Jahr zum Eldorado aller Gitarristen, wenn hier das Kirkmichael International Guitar Festival stattfindet. Allerdings fiel das Festival 2007 wohl aus. (Info). Der Vollständigkeit halber: Von Ayr kommt man auf der A 70 in östlicher Richtung nach Cumnock. Ein Ort, der weniger bekannt ist und den man eventuell auslassen kann. Auf der Strecke nach Kilmarnock kann man hier jedoch einmal vorbeifahren und dann auf der A76 hoch nach Kilmarnock.
Ebenso kommt man, wie oben erwähnt, von Prestwick, Troon oder Irvine aus in östlicher Richtung nach Kilmarnock. Kilmarnock ist eine relativ wichtige Stadt in der Region, wenn auch ein wenig gesichtslos. Interessant ist vielleicht die Tatsache, dass hier der Blend des Johnny-Walker entsteht. Außerdem kann ein Besuch des Dean-Castle interessant sein. Drei Meilen nordwestlich von Kilmarnock liegt der kleine Ort Kilmaur, drei weitere Meilen entfernt liegt Stewarton. Der Ort ist etwas größer und spielt(e) eine gewichtige Rolle in der Textilherstellung und hier speziell der Bonnet Kopfbedeckungen. Richtung Osten von Kilmarnock kommt man über den alten und kleinen Flecken Newmilns und den wesentlich jüngeren Ort Darvel. Beide Orte sind weniger interessant. Weiter auf der A 71 kommt man nach Strathhaven (sprich Stray-ven), dass vor dem Bau der M74 wahrscheinlich verkehrstechnisch eine hervorragende Rolle spielte. Die Stadt lohnt einen Besuch. Ein beliebtes Ziel ist das Strathhaven Castle. Über Hamilton kann man dann wieder hoch nach Glasgow fahren. Man kommt so am Boswell Castle und am David Livingstone Centre vorbei - beides interessante Sehenswürdigkeiten.
