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Schottland-Wegweiser, der Guide für Schottlandurlaub

Schottischer Whisky - Scotch Whisky

Wer sich für Schottland interessiert, kommt an diesem Getränk nicht vorbei. Whisky ist eine Art Nationalgetränk, vielleicht sogar eine Lebenseinstellung. Ähnlich verhält es sich in Irland (Schreibweise Whisk"ey"!). Beide Länder liegen im ewigen Streit, wo der Whisky nun erfunden wurde. Geklärt ist das nicht endgültig und letztlich ist es auch zweitrangig. In beiden Ländern ergibt der Ursprung des Wortes Whisky in etwa die selbe Bedeutung, die Ableitungen aus dem Gälischen ergeben sinngemäß "Wasser des Lebens". So richtig klar ist außerdem nicht, ab wann Whisky nun überhaupt gebrannt wurde. Die Geschichte des Whisky kann man nachweislich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen, auch wenn es das geistige Getränk vermutlich schon wesentlich früher gab. Um 1736 wurde der Begriff Whisky das erste mal (offiziell) genannt, vorher sprach man eher vom Aqua vite (mehr zur Geschichte des Whisky)

Die Whisky Produktion in Schottland durchlebte schillernde Zeiten. Es gab viele Krisen, oft genug sahen sich die Einheimischen gezwungen, ihr Wässerchen illegal zu brennen. Irgendwann hatte der Staat dann aber den Whiskyschmuggel mehr oder weniger eingedämmt und viele Brennereien arbeiteten offiziell (und mussten hohe Abgaben an den Staat zahlen). Dennoch erwies sich die Produktion als lohnend, vor allem der Export des Whisky wurde früh zum Renner. Die USA wurden zu einem großen Markt für Schottische Whiskies, dementsprechend traf die Prohibition in den USA die Schotten hart. Auch die beiden Weltkriege gingen nicht spurlos an der Industrie vorbei, da man die Gerste in den Notzeiten eher zur Herstellung von fester denn flüssiger Nahrung benötigte. In der Folge mussten viele Distilleries schließen und einige machten erst gar nicht mehr auf. Der Markt erholte sich in den folgenden Jahrzehnten langsam. Dies ging jedoch häufig zu Lasten kleiner Brennereien, viele ehemalige Familienbetriebe mussten aufgeben bzw. verkauften an große Konzerne. Das wiederum hatte, auch wenn es von Fachleuten kritisch betrachtet wurde, zunächst für die Branche und andere Märkte viele positive Seiten. Immerhin entwickelten die Konzerne tragfähige Konzepte und vermarkteten den Schottischen Whisky weltweit extrem erfolgreich. Dazu pumpen sie extrem viel auf den Markt und versuchen mit günstigen Preisen in internationale Märkte zu gelangen. Das hatte z. B. den Vorteil, dass man in Deutschland endlich an gute Tröpfchen aus Schottland kam und das zu einem guten Kurs. Es hat aber auch seine Schattenseiten. Die Produktion konnte nicht immer mit der Nachfrage mithalten und manchmal wurden (zumindest in der Masse) etwas unausgereifte Produkte verkauft und der schottische Whisky sah sich in Fachrankings immer wieder auf hintere Ränge verbannt (nicht selten weit hinter asiatischen Produkten). Daraus schien man zunächst zu lernen und die Qualität schottischer Whiskys legte ab den 2000ern wieder zu, außerdem pflegte man auch wieder Jahrgangs-Whiskys, was man zuvor etwas vernachlässigte. Trotzdem ist das Interesse gerade der großen Konzerne vor allem die Festigung bzw. Erschließung neuer Märkte, zuletzt hatte man vor allem den russischen Markt im Visier. Um den Markt dort zu versorgen, muss man zwangsläufig den Nachschub für andere Länder drosseln oder man bringt doch wieder junge Whiskys auf den Markt. Das hat sich in jüngster Zeit in immer neuen Kreationen mit abenteuerlichen Namen, aber ohne echte Altersangabe niedergeschlagen (so genanntes No Age Statement, kurz NAS). Wie sich das qualitativ auf Dauer auswirken wird, darf zumindest kritisch betrachtet werden.

Dafür bildet die Whiskyproduktion heute einen extrem wichtigen Wirtschaftszweig in Schottland. Nach Angaben der Scotch Whisky Association erreichte die Whiskyindustrie Schottlands im Jahr 2013 ein neues Rekordhoch und exportierte Whisky im Wert von 4,3 Billionen £ (das müssten nach der 2012 erfolgten Angleichung an das US-System bei uns 4,3 Milliarden Pfund entsprechen). Das ist jede Menge und es machte immerhin ein Viertel der gesamten Food And Drink Exporte aus. Beachtlich dabei: Diageo als Platzhirsch der Whiskybranche machte in dem Zeitraum mit schottischem Whisky (Single Malt und Blends) nach eigenen Angaben alleine einen Jahresumsatz Umsatz von knapp 3 Millarden Pfund. So oder so kann Schottland stolz auf seinen Whisky sein. Das spielte sogar eine Rolle vor der Volksabstimmung zur Unabhängigkeit am 18. September 2014 und man spürt das auch im Bereich Tourismus. Schottische Distilleries sind wichtige Ziele für Touristen und es gibt den eigens konzipierten Malt Whisky Trail im Bereich des Speyside.

Ein paar Gedanken zum Verkosten und die Beurteilung von Whiskys

Wie trinkt man Whisky?

Für viele ist schon das eine der Fragen aller Fragen. Im Grunde genommen trinkt man ihn am besten so, wie man ihn eben trinken will bzw. wie er individuell am besten schmeckt. Wer ihn unbedingt aus der Flasche trinken muss, der soll es machen. Wer dickwandige Gläser mag, soll diese nutzen. Wer dünnwandige Gläser mag, soll diese nutzen. Grundsätzlich wird heute dem dünnwandigeren Glas der Vorzug gegeben, vor allem wenn es ums Nosing/Tasting geht (z. B. Stielglas oder Glencairn Glas). Zum Trinken wird in der Regel der etwas dickwandigere Tumbler genommen. Aber das ist letztlich Ansichtssache.

Whisky Schottland
Nosingglaeser vs. Tumbler

Pur oder versetzt oder gar gemixt? Auch hier entscheidet der persönliche Geschmack. Es gibt viele Mixgetränke, für die sich Whisky vorzüglich eignet. Es kommt aber sehr auf die Sorte Whisky und ihren eigenen Charakter an. Zweifellos könnte ein Bourbon eine gute Wahl fürs Mixen sein, vielleicht auch ein Blend ohne besondere eigene Note. Je komplexer jedoch ein Single Malt wird, desto unsinniger wird es, ihn für ein Mix-Getränk zu mißbrauchen. Eine andere Sache ist die Nutzung von Wasser oder Eis. Whisky On The Rocks ist durchaus gängig, allerdings wird durch die Kälte viel vom Charakter des Whisky zerstört. Über das Verdünnen mit Wasser kann man jedoch nachdenken, manchmal bringt der Zusatz von natürlichem (auf keinen Fall kohlesäurehaltigem) Wasser durchaus interessante neue Nuancen des Grunddestillats zum Vorschein. Wer den eigentlichen Geschmack des Produkts kennenlernen möchte, der sollte den Whisky jedoch pur testen. Eine elegante Lösung ist übrigens die Nutzung eines separaten Glases Wasser. Man trinkt den Whisky pur und gibt dem Produkt die Möglichkeit sich zu entfalten. Erst danach trinkt man einen Schluck Wasser.

Die Qualitätsbeurteilung

Natürlich entscheidet auch hier letztlich immer der persönliche Geschmack. Es gibt Menschen, die mögen Whisky grundsätzlich nicht. Mancher mag US-amerikanischen Bourbon, andere mögen irischen Whiskey oder kanadischen Whisky. Wieder andere finden Gefallen an asiatischen Produkten. Nicht bei jedem Whisky Kenner steht der schottische (Single Malt) Whisky ganz oben in der Beliebtheitsliste, auch in der Fachpresse liegen schottische Whiskys nicht immer ganz oben in Rankings.

Ein unbestreitbarer Pluspunkt schottischer Whiskys ist aber die Vielfalt, welche man aus diesem doch relativ kleinen Land erhält. Es gibt auf keinen Fall "den typischen" schottischen Whisky. Whisky aus den Lowlands z. B. gelten als unaufdringlich und weniger nuancenreich. Hier muss man den wenigen verbliebenen Distilleries aber m. E. zur Seite stehen, denn aus den Lowlands kommt mittlerweile eine beachtliche Bandbreite an interessanten Whiskys (z. B. die Auchentoshans). Der typische Speyside Whisky ist ein weiterer in der Regel weniger robuster bzw. weniger aufdringlicher Whisky. Allerdings gelten die Speysides als sehr facettenreich und werden in der Regel als ideale Whiskys für Einsteiger gehandelt (typische Einstiegswhiskies sind z. B. Glenlivet oder Glenfiddich). Für Highland Whiskys gilt normalerweise, dass sie etwas entschlossener zu Werke gehen. D. h. sie sind in der Regel robuster als die typischen Speysides, stellenweise sind sie rauchiger und manchmal auch torfiger. Getorfte Whiskys wiederum gehören zu den speziellsten schottischen Whiskys, für viele Liebhaber definieren sie ein Stück weit den typischen Whisky aus Schottland. Michael Jackson schrieb einmal, dass jeder schottische Whisky getorft sei. Jackson ist ein Fachmann, dennoch kann man die Aussage zumindest zur Diskussion stellen. Tatsächlich zeigt sich ein Trend dazu, dass immer mehr Brennereien auch getorfte Whiskies ins Portfolio aufnehmen. Als den typischen getorften schottischen Whisky würde ich jedoch vor allem die Whiskys der Inseln (und hier vor allem die Islays) verstehen. Gerade die Islays haben eine große Fangemeinde und werden von Fachleuten sehr hoch geschätzt. Wohl auch dadurch bedingt bieten immer mehr Distilleries auf dem schottischen Festland auch getorfte Whiskys an. Nicht zu vergessen, dass man auch in anderen Ländern mittlerweile getorfte Whiskys im Angebot hat (Connemara, Hakushu…).

Ob und wie ein Whisky letztlich bewertet wird, ist und bleibt Ansichtssache. Gerade beim Nosing und Tasting schmeckt jeder etwas anderes heraus. Viele empfinden Whisky einfach nur als scharf/spritig und schmecken nur den Alkohol. Andere beschreiben eine Vielfalt von Aromen, welche stellenweise unglaublich vielfältig wirken. Da ist dann die Rede von Pflanzen- und Blumendüften (Heidekraut, Gras, Veilchen, Rosen), Obst (Apfel, Birne, Pflaume), Gewürzen (Nelken, Zimt, Vanille) bis hin zu Lakritze, Toffee, Schokolade, Sahne und Kaffee oder Raucharomen, Holzaromen oder Meeresgeruch. Typisch ist sicherlich der Geruch/Geschmack, welchen die in Schottland üblicherweise verwendeten gebrauchten Fässer an den Whisky abgeben (Bourbon Vanille, Sherry, Port usw). Zweifellos gut feststellbar ist dementsprechend auch oft eine gewisse holzige rauchige Note oder auch eine teilweise fruchtige süßliche Note, welche im Normalfall über die Hefe bestimmt wird. So oder so kommen Fachleute selten zu dem einen typischen Geschmackserlebnis. Dies soll abschließend an der vielfältigen Beschreibung von torfigen Whiskys klargemacht werden: wo der Laie spontan eine gute Prise Leder aufnimmt, nimmt der Connaisseur erst richtig Fahrt auf und nennt Eindrücke wie "medizinisch, Chlor, verbranntes Gummi, Erdöl, geräucherter Fisch, Schafdung, Seetang, Tabak, usw."

Ungeachtet aller Beschreibungen gilt aber: Gut ist letztlich, was schmeckt und gefällt.

Und dass ich es nicht vergesse: Genießen Sie Alkohol in Maßen, Alkoholmissbrauch ist gesundheitsgefährdend.