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Schottland-Wegweiser, der Guide für Schottlandurlaub

Geschichtliches zur Whisky-Produktion in Schottland

Die Geschichte des "Lebenswassers" Whisky reicht wohl schon etwas weiter zurück. Es wurde zuerst als aqua vitae (lateinisch für Wasser des Lebens) erwähnt. Vergleiche zum heute noch in Skandinavien bekannten Aquavit sind angebracht. Jedenfalls sollen - und das überrascht nicht wirklich - christliche Mönche im Zuge der Missionierung das Wissen um die Destillation nach Schottland gebracht haben. Und damit brachten sie natürlich auch das Wissen um das Brennen von hochgeistigen Getränken mit. Man datiert diese Ereignisse auf das 5. Jahrhundert nach Christus. Der Begriff Lebenswasser wurde dann um 1494 zum ersten Mal als aquavite schriftlich erwähnt.

Whisky erfreute sich schnell großer Beliebtheit. Das Getränk wurde in vielen Destilleries in Schottland produziert und fand auch viele Abnehmer. So eine Tatsache ruft die Staatsoberen auf den Plan. Da möchte man gerne etwas vom Kuchen. Schottland begann, wie andere Länder auch, Whisky zu besteuern (und das nicht zu knapp). Das wiederum stieß nicht gerade auf die Akzeptanz der Einheimischen - warum auch? Was jahrelang so ging, sollte nun mit Abgaben an den Staat verbunden sein. Aufgrund der Ablehnung der Bürger wurde die Herstellung des Whisky zunächst einmal grundsätzlich verboten - es sei denn, man erwarb eine Lizenz zum Brennen. Die Lizenz brachte aber erhebliche Einschränkungen und geringe Erträge und führte kaum zu einer Beruhigung der Gemüter. Was folgte, war ein reger Schmuggel des geliebten Lebenswassers. Wer etwas Literatur aus der Zeit gelesen hat, wird wissen um was es geht. Der Schmuggel wird in vielen Werken jener Zeit ausgiebig beschrieben. Das offizielle Brennen lohnte sich kaum, weshalb das illegale Geschäft blühte. In Schottland versuchte man im Jahr 1822 eine verbesserte Gesetzgebung zu gestalten. Sie gereichte jedoch eher zum Vorteil des reicheren Bürgers. Auch das führte, durchaus berechtigt, zu Unruhen im einfachen Volk. Im Jahr 1823 wurde ein neues Gesetz zur Destillation erlassen. Dieses schien einigermaßen vernünftige Rahmenbedingungen für alle zu schaffen. Es machte das Destillieren zumindest zu einer einigermaßen einträglichen Sache. Kurz später wurde die erste Destille, die nach dem neuen Recht brannte, in Betrieb genommen. Das war im Jahr des 1823. Die Destillery nannte sich Glenlivet und wurde von George Smith erbaut. Er erbaute Glenlivet in den Highlands bei Minmore in der Region Speyside (und schuf sich damit einige schlagkräftige Feinde unter den immer noch aktiven Schwarzbrennern).

Die Verfahren der Brennerei wurde in der Folge stetig verbessert. Es wurde ein Weg gefunden, um die Destillation von ungemälztem Getreide zu ermöglichen. Dieses Verfahren wurde durch Aenaeas Coffey weiter verbessert. Beide Verfahren, das pot still und das coffey still Verfahren, finden noch heute Anwendung. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Schottland der erste Blend hergestellt. Der Blended wurde ursprünglich für Märkte hergestellt, die den typischen Malt nicht mochten. Einer dieser Märkte war England.

Das Geschäft mit dem Brennen von Whisky lief nicht schlecht. Es gab viele Brennereien, die unter anderem deshalb gut bestehen konnten, weil der Export von Whisky gut lief. Vor allem die USA waren ein zuverlässiges Abnehmerland. Einen gewaltigen Einbruch des Absatzes gab es daher auch mit Einsetzen der Prohibition in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts. Dies wirkte sich negativ auf schottische Destillerien aus, vor allem auf jene, die viel nach USA verkauften. Wer sich nicht an illegalen Exporten in die USA beteiligte, hatte damals schlechte Karten. Dies war z. B. für viele Brennereien in Campbeltown und andere Brennereien auf Kintyre der Fall. Dort schlossen viele Destillerien. Die Region konnte sich davon nie mehr richtig erholen. Im Campbeltown zum Beispiel sank die Zahl der Destillerien rapide von ursprünglich über 30 Brennereien auf heute 3 Brennereien.

Ein weiteres Problem für die Industrie bildete der II. Weltkrieg. Damals wurde die Gerste für andere Zwecke nötiger gebraucht und ein Großteil der Brennereien musste in der Phase ihren Betrieb einstellen. Einige davon machten danach gar nicht mehr auf. Die Industrie brauchte lange, um sich zu erholen. Gleichzeitig vollzog sich ein grundlegender Wandel in der schottischen Whisky-Industrie. Die bestimmenden Konzerne wurden immer größer und kauften die kleinen Destillen entweder kurzerhand auf oder diese mussten sich dem Konkurrenzdruck beugen und schließen. Das wirkte sich auf die Destillerieszene in Schottland spürbar aus. Viele der hervorragenden kleinen Destillerien mussten schließen. Heute gibt es zwar immer noch ein paar wenige kleine Destillerien, die meist hervorragenden Whisky herstellen. Aber es sind in der Summe nur noch wenige kleine Betreiber oder gar Familien, die nur eine oder wenige Brennereien betreiben. Das meiste ist in der Hand großer (oft ausländischer) Konzerne. Die sorgte zwar mit gutem Marketing für einen extremen Aufschwung der schottischen Whisky-Industrie. Allerdings wollen sie in der Regel mehr verkaufen, als überhaupt hergestellt werden kann. Dies führte vor den 2000ern immer wieder zu gewissen Qualitätsproblemen. Danach konzentrierten sich die Unternehmen zwar wieder auf das Einhalten von Qualitätsmaßstäben. Aber in den letzten Jahren wollte man mit aller Gewalt neue große Märkte (v. a. Russland) erschließen. Dies führte dazu, dass man immer neue abenteuerliche Whiskys auf den Markt brachte, die aber in der Regel sehr jung auf den Markt kommen. Es ist fraglich, ob sich diese Strategie auszahlen wird. Wie man weiß, sind die Whiskykenner bezüglich der Qualität kaum kompromissbereit.