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Schottland-Wegweiser, der Guide für Schottlandurlaub

Thema: Peat und Peat-Bogs/Torf und (Torf)moore in Schottland

Vorab zum: Peat ist Torf, ein Peat Bog ist ein (Torf)moor. Ein Torfmoor besteht aus Schichten von Torf - aber in der Regel immmer zu gut 90 Prozent aus Wasser. Der Torf wurde sozusagen aus der Verrottung von Vegetation und organischem Material gebildet. Torf bildet sich relativ langsam, man geht von ca. 1 Meter Wachstum in 1.000 Jahren aus. Maximale Torfdicken sind dabei in der Regel um die 10 Meter, d. h. solche Gebiete sind dann über mindestens 10.000 Jahren gewachsen.

peat cutting
Gestochener Torf

Der Torf an sich bildet aufgrund seiner Struktur ein recht gutes Brennmaterial, aber auch als Dünger im Gartenbereich wurde/wird Torf gerne genutzt. In Schottland dürfte aber die Nutzung als natürliches und vergleichsweise günstiges selber zu stechendes Brennmaterial überwogen haben.

Diese Nutzung alleine dürfte das vergleichsweise geringe Wachstum von Torf an sich schon überwogen haben, aber bei weitem nicht das Ungleichgewicht hergestellt haben. Viel eher lag das an der Trockenlegung von Mooren, um Weide- und Ackerland zu schaffen. In Großbritannien und damit auch in Schottland dürfte der Dolchstoß mit der Schaffung eines Aufforstungsprogramms der britischen Regierung in den 1980ern gewesen sein. Die Britische Regierung machte viel Geld dafür locker, dass man Moore trockenlegt und dort Bäume anpflanzt (vor allem Kiefer und Sitka Fichte). Das lockte Investoren, die einen Großteil der damals noch einigermaßen intakten Moore zerstörten. Das Programm an sich war eine Fehlzündung, da die Moorböden in der Regel zu sauer und nährstoffarm waren um hier ein großes Waldwachstum anzuregen. Andererseits genügte die paar Bäume oft schon, um auch die alte Flora und Fauna zu zerstören. 1988 beendete die Regierung ihre Unterstützung für das Baumprogramm und plötzlich wurden kaum noch Bäume gepflanzt.

In der Folge drang auch die Erkenntnis durch, dass man in Moorgebieten extrem wichtige Ökosysteme zerstört hat und, was in der heutigen Zeit scheinbar noch wichtiger ist, gigantische CO2 Speicher.

Ganz grob in Zahlen: Torfe speichern weltweit über 500 Gigatonnen Kohlenstoff, was eine Menge ist und nahezu der Hälfte der gesamten CO2 Emissionen weltweit entsprach. Dabei bedecken Torfmoore nur ca. 3 Prozent der Landfläche, sie speichern aber gut ein Drittel des gesamten Bodenkohlenstoffs weltweit. Das allerdings funktoniert nur dann, wenn die Moore intakt und feucht sind. Trockengelegte Moore verlieren diese Funktion nicht nur, sie setzten zudem noch gebundenen Kohlenstoff frei. Entwässerte Moore sollen, so Wissenschaftler, für bis zu 6 Prozent aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich sein (die größten dieser Trockenmoore gibt es im so genannten Maisgürtel der USA und Teilen Kaliforniens).

Das alleine ist schon beachtlich. Darüber hinaus bilden Torfmoore auch stets ein ganz besondere Flora und Fauna und sie einen riesigen großen Trinkwasserfilter und -speicher.

Soweit dazu, diese Eckdaten hat man mutmaßlich weltweit erkannt. Auch in Schottland laufen mitterweile Programme zur Rückgewinnungen alter Moore.

Torf und Torfmoore in Schottland

black loch
Black Lochs

Traditionell hat man Torf in Schottland vor allem als Heizmaterial gestochen. Im Grund wurde der Torf wie eine Art Brikett genutzt. Dies geschah sowohl in Privathaushalten als auch in gewerblicher Form. Für Schottland zweifellos wichtig war der Torf in Bezug auf die Whisky-Herstellung. Brennereien nutzten Torffeuer zum Darren der gemälzten Gerste, was dem später entstandenen Malz eine mehr oder weniger Torfige Note verleiht. Darüber hinaus kennen mutmaßlich vor allem Gärtner den Torf, der lange Zeit als organischer Dünger verwendet wurde (heute aber stellenweise verboten wurde).

Wie oben schon erwähnt, hat man die besondere Rolle des Torfs und der Moore mittlerweile erkannt. Der Abbau wurde begrenzt, die Trockenlegung von Mooren gestoppt. Für Schottland hat das besondere Auswirkungen. Immerhin machen Torfmoore über 20 Prozent der Landfläche Schottlands aus. Diese Moore Schottlands binden, so schätzt man, gut 75 Prozent des in britischen Böden eingeschlossenen Kohlenstoffs. Somit sind die Torfmoore der bei weitem größte CO2 Speicher des Landes.

Eines der größten Torfmoore gibt es im Forsinard Flows Nature Reserve in Sutherland. Es gilt als eines der größten weltweit und soll gut 5 Prozent aller Torfmoorflächen weltweit ausmachen. Auch dieses Gebiet war betroffen vom unseligen Aufforstungsprogramm der britischen Regierung. Die Bäume wuchsen schlecht, wie gesagt wegen des ungeeigneten Bodens, aber auch wegen des widrigen Wetters. Die Royal Society for The Protection of Birds erwarb 1995 21.000 Hektar Land und machte das Forsinard Flows Reservat daraus, in den nächsten Jahren wurden 146.000 Hektar rund um das ursprüngliche Reservat als Schutzgebiet ausgewiesen.

In Schottland ist man auch ansonsten recht aktiv, u. a. gibt es viel Geld über den National Peatland Plan in die Beseitigung jener Wälder , welche man damals mit britischen Geld anpflanzte. Alleine im Forsinard-Reservat hat man schon über 10 Mio. Pfund investiert. Das Ziel der schottischen Regierung: bis 2030 sollen 250.000 Hektar Torfland wiederhergestellt worden sein.

Am letzten Wochenende im Juli wird mittlerweile sogar der International Bog Day zelebriert um die Wichtigkeit der Moore im Ökosystem klarzumachen.

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